Wie alles begann ...

Franz Preuß, einer der ersten Ortsbeauftragten unseres jungen Ortsverbandes schrieb anlässlich der 25-Jahrfeier über die Gründungszeit des THW Ortsverband Miltenberg folgenden Artikel:

Die Gründungsversammlung

Mit Bindeleinen und einem kleinen Unterkunftsraum fing alles an.

Am 19.11.1953 besuchte mich der Geschäftsführer des THW Aschaffenburg Herr Rampacher und fragte mich, ob ich nicht  Lust hätte in Miltenberg den gerade gegründeten Ortsverband des THW zu übernehmen. Seit August 1953 bestand ein kleiner Ortsverband mit 13 Mitgliedern. Er wurde von Herrn T. Hoffmann geführt. Es war damals gerade acht Jahre nach Kriegsschluss, nicht leicht die Bevölkerung für das THW zu gewinnen. Eine Notiz aus den ersten Tätigkeitsberichten des damaligen Ortsbeauftragten Herrn Hoffmann macht dies sehr deutlich. Er schrieb: „Am 23.09.1953 wurde der Werbefilm des THW hier vorgeführt. Trotz reger Werbung war der Besuch nicht übermäßig - besuchte Betriebe halten sich ziemlich zurück. Es besteht hier eine Abneigung gegen die ehemalige Technische Nothilfe!“, soweit aus dem ersten Tätigkeitsbericht.
Herr Hoffmann zog von Miltenberg fort und die Stelle des Ortsbeauftragten musste neu besetzt werden. Herr Hoffmann, der mich persönlich kannte, hatte mich dafür vorgeschlagen. Doch ich bat mir etwas Bedenkzeit aus.
Am 27.11.1953 war dann die erste Helferversammlung die ich besuchte, im Kolpinghaus in Miltenberg. Natürlich war ich gespannt was da so an Helfern erscheinen würde. Tatsächlich es kamen 13 junge Männer mit offenen ehrlichen Gesichtern, zutraulich und bereitwillig im THW mitzuwirken.
Der Geschäftsführer des THW Aschaffenburg Herr Rampacher war auch gekommen, aber wie, das verdient heute noch festgehalten zu werden. Es war Ende November. Tief vermummt in einem alten Wehrmachtsregenmantel kam er auf einem kleinen Moped (!) von Aschaffenburg. Auf den damaligen Straßen!  
Geschäftsführer Rampacher erklärte den jungen Helfern noch einmal ausführlich Sinn und Zweck des THW. Er ließ auch keinen Zweifel darüber, dass der Einsatz im THW mit körperlichen Anstrengungen verbunden sei, das Wind und Wetter nicht gescheut werden dürften und das erste Voraussetzung immer sei, eine gute feste Kameradschaft zu halten.
Wie ich diese jungen Kerle sah. war mein Entschluss gefasst, ich war bereit den Ortsverband zu übernehmen. Mit einigen Worten erklärte ich den Helfern wie ich mir die Schulung und Ausbildung dachte, und ob sie bereit wären, mit mir mit zumachen? Eine allgemeine Zustimmung war die Antwort.  
Als Mitglied des THW Miltenberg mit der Nr. 14 übernahm ich noch am gleichen Abend den Ortsverband. Zurückschauend kann ich noch heute sagen, es war tröstlich zu damaliger Zeit diese jungen Menschen in ihrer Bereitwilligkeit zu sehen, mir gab es jedenfalls viel Mut die Aufgabe zu übernehmen. Vergessen wir nicht, es war 1953! Das Kriegsende und die negativen Auswirkungen waren noch sehr gegenwärtig! Von einem Hilfsdienst  für das eigene Volk wollte kaum einer etwas wissen. Aber hier stand ich vor einer kleinen Schar von Idealisten, sie wollten, und ich sah es ihnen an, sie meinten es ehrlich mit ihrem Wollen! - So also fingen wir an!

Die Jahre des Wachstums

Leistungsschau anl. 10-Jahre THW Miltenberg am Miltenberger Mainufer.

Ein kleiner Versammlungsraum im Kolpinghaus Miltenberg war unsere Versammlungs- und Ausbildungsstätte. Dann kam der erste Ausbildungsabend. Thema: Stiche und Bunde! - Was aber hatten wir an Ausrüstung? 10 Arbeitsschürzen und 10 Bindeleinen!
Was kann man damit in einem kleinen Versammlungsraum an Ausbildung betreiben? Ich ließ kurzerhand alle Stühle mit der Sitzfläche auf den Tisch stellen, Stuhlbeine nach oben. An jedem Stuhl einen Helfer mit einer Bindeleine. Heute noch denke ich gerne an diesen I meinen ersten Ausbildungsabend im THW zurück, und mit welcher Begeisterung die Helfer an den Stuhlbeinen Stiche und Bunde übten. Dieser Abend war ein voller Erfolg trotz der einfachen Ausbildungsmittel.
Unser junger Ortsverband wuchs langsam aber stetig, doch ich war nun buchstäblich: Mädchen für alles! So war ich Ortsbeauftragter, Ausbildungsleiter, Verwalter vor allen Dingen aber Laufbursche und noch einiges mehr.
So versuchte ich einen guten Kameraden - Waldemar Wagerängel - davon zu überzeugen sich dem THW zur Verfügung zu stellen. Herr Wagerängel nahm nun ab Januar 1954 regelmäßig an unseren Ausbildungsabenden teil. Er fand Gefallen an der Zielsetzung des THW und war bereit den Ortsverband Miltenberg zu übernehmen.
Am 03.04.1974 wurde er in der Brauerei Fries bei einer Helferversammlung mit geladenen Gästen vom Kameraden Rampacher als neuer Ortsbeauftragter für Mitenberg eingesetzt. Nun begann eine langjährige schöne Zeit des Aufbaues in Miltenberg. Alles lief in guter Kameradschaft und ich konnte mich ganz der Schulung und Ausbildung widmen. Am 15.06.1954 trat dann auch Georg Schick als junger Helfer dem Ortsverband bei, er gehörte bald zu dem Stamm der Helfer auf die immer Verlass war.
Ab 1954 wurden nun laufend, bis zum heutigen Tage, geeignete Helfer auf Schulungs- und Ausbildungskursen der THW Bundesschulen geschickt.
Anfang März 1962 musste der Ortsbeauftragte W. Wagerängel aus beruflichen Gründen Miltenberg verlassen. Das Gründungsmitglied Erich Wassum übernahm nun stellvertretend einstweilen den Ortsverband. Dies konnte keine Dauerlösung sein, denn der Kamerad Wassum war durch seinen eigenen Steinmetzbetrieb stark gebunden. Georg Schickt der inzwischen wiederholt Ausbildung und Führungskurse auf THW Schulen besucht hatte, und schon unser Ausbildungsleiter war, erschien uns allen als der geeignete Mann den Ortsverband zu übernehmen. Der Geschäftsführer des THW Herr Rampacher und der Landesbeauftragte von Bayern waren mit unserm Vorschlag einverstanden. Auf der Helferversammlung vom 14.11.1962 übergab ich daher, mit der Zustimmung aller, den Ortsverband Miltenberg an den Kameraden Schick.

Unterkünfte des THW Miltenberg

Eine Luftbildaufnahme, cirka 1977 aufgenommen, zeigt die heutige Unterkunft im Fährweg 43.

Bei der Gründung des Ortsverbandes und solange fast kein größeres Gerät vorhanden war, erfolgte ab 1953 die Ausbildung im Kolpingshaus Miltenberg. Mit der Zuweisung des ersten Gerätes und der Erfordernis einer wassernahen Ausbildung war der Umzug in die Mott'sche Scheune - Stadteigentum - an der Mud notwendig. Der bauliche Zustand zeigte aber bald, dass hier ein Verbleib nur vorübergehend möglich war. Ein Teil des Gerätes musste bereits damals ausgelagert werden. Als nächste Unterkunft diente das frühere Schreinereigebäude Berberich in der Mainstraße. Ab 1966 wurde ein Privatgebäude in der Fischergasse in Miltenberg angemietet. Nach umfassendem Umbau war hier zwar ein Schulungsräum für ca. 30 Helfer vorhanden, jedoch zu klein, um praktische Übungen durchzuführen. Die Übungen bzw. der Übungsplatz und die Unterbringung des schweren Gerätes mit Fahrzeugen musste wiederum ausgelagert werden. Hier stellte die Stadt Miltenberg dankenswerter Weise ab 01.01.1965 einen kleinen Anbau am FIüchtlingslager Miltenberg-Nord zur Verfügung. Auch die Unterbringung der Verwaltung In der Fischergasse war unter dem Dach mehr als beengt. Ein Teil des Gerätes konnte nur durch Einstapeln gelagert werden, was wiederum zu einer Verzögerung bei einem raschen Zugriff führte. Mit der Übernahme des Fernmeldezuges vom LSHD
wurden die Verhältnisse noch katastrophaler, so waren Fahrzeuge, Bekleidung und Gerät fast 2 km entfernt ausgelagert. Zu diesem Zeitpunkt wurden also praktisch drei verschiedene Standorte in Anspruch genommen. Geändert hat sich diese Situation erst mit der Einigung über die Vermietung eines größeren Gebäudekomplexes der früheren RAD-Trupp-Führerschule durch die Stadt Miltenberg ab 01.01.1977.
Jeder jedoch, der Gelände und Baulichkeiten damals kannte, schreckte von dem Zustand zurück. Allein der Ruderclub Miltenberg, dem diese Unterkunft zunächst angeboten wurde, lehnte dankend ab. Mit der Anmietung durch den Bund und der Bereitstellung von über 200.000 DM in zwei Bauabschnitten konnte die heutige THW-Unterkunft fertiggestellt werden.
In diesem "Zusammenhang muss aber auch auf die enorme Leistung der freiwilligen Helfer verwiesen werden, die durch Arbeitseinsatz ihren Teil mit etwa 40 bis 50.000 DM beigetragen haben.